Mediensucht

3. Februar 2021

Mediensucht

Es vibriert nur kurz und scho is de Konzentration weg: Ablenkung #1 derfad mittlerweile weltweit as Smartphone sei und damit in erster Linie de sozialen Medien, welche Millionen vo Menschen jeden Dog an ihre Bildschirme ketten.


Doch woher kimmt de Sucht noch Medien eigentlich? Zuerst is des de suggerierte Wichtigkeit, imma „informiert“ sei zu miassn. Des is no a Relikt aus a Zeit, wo neie Informationen wirklich extreme Vorteile bringa ham kennan, mit da Informationsflut heidzudog ko ma aba nimma pauschal davo ausgeh, dass jede eiströmende Information wiarglich wichtig is.

Außerdem san de sozialen Medien und de Technik dazua omnipräsent: ob de benutzung vo Computern in da Arbeit, as ständige Trong vo Smartphones oda da bloße gesellschaftliche Drang, imma auf’m neisten Stand der Technik zum sei lossn uns a Lebn ohne Medien gar nimma vorstellbar erscheinen. Verstärkt wird des Ganze durch de Bestätigung, de ma in sozialen Netzwerken erfahrt. Wann griagt ma im echten Lebn schomoi a Kompliment? Durch des Prinzip vo de „Gefällt-mir“-Buttons wird ma glei hundertfach beglückwünscht. Außerdem ko ma si imma mit de anderen vergleicha: wer kimmt bessa o, wos macht da andere so?


De sozialen Medien an si nutzen de Dopaminausschüttung, de bsonders stark durch’s Zufälligkeitsprinzip wirkt, d.h. bei jedem „Checken“ vo de sozialen Profile wird da Körper und Geist in extreme Spannung versetzt, de im positiven wia im negativen Foi in Sucht mündet, vergleichbar mit de einarmigen Banditen, de ebenso an unbestimmten Gewinn versprechan (Lustigerweise funktioniert do de Aktualisierung der Ergebnisse aa üba’s „Runtaziang“).


De Mediensucht hod oiso sehr allgemeine Gründe, de woi bei 99% der Bevölkerung funktionieren, wia aba konn ma sein persönlichen Konsum zumindest a bissl eischränken?


Do gibt’s verschiedene Möglichkeiten, de ollerdings in da Regel a guade Portion Disziplin und Durchhoitevamögen erfordern, um ned noch oana Woch wieda in oide Musta zruckzufoin.

Gegen den Zwang, imma informiert sei zu miassn konnma zum Beispiel oafach moi olle Nachrichten im Smartphone deaktivieren und omds dann feststelln, dass ma gar ned wiarglich so wichtige Sachan vapasst, wenn ma nur oamoi statt 100 moi auf’s Display starrt. Am besten is, ma zeichnet mit am Programm de Zeit auf, de ma täglich am Handy verblembert. 3 Stunden Whatsapp, Instagram und Youtube? Auf oamoi wird klar, warum ma ned dazua kimmt de Sachan umzusetzen, de ma si vorgnomma hod.


Aa de Präsenz der Medien konnma eischränken, indem ma beispielsweise fia si selm handyfreie Zeiten definiert. Des konn im Urlaub sei oda beim tägliche abendlichen Spaziergang, wo ma as Smartphone oafach moi a Stund dahoam losst. Genauso macht’s Sinn oanzelne Apps „obzulösen“: Statt ständigem Hi- und Herschreim macht ma hoid moi wieda a altmodisches Treffen aus und stäit fest, dass des gar ned so vakehrt sei ko.


Am schwierigsten is woi de Sach mit da sozialen Bestätigung. Freilich mog jeda sei Rolle in da Gsäischaft kenna, aba as permanente Santln is hoid aa ned de Lösung. Desweng ko ma moi drauf achten, wia vui ma konsumiert und produziert: I beneid den Sport-Influenca? Dann mach i jeden Dog selba erstmoi Sport, bevor i mir oschau wos de anderen wieda ois so geleistet ham. Prinzipiell is eh gscheida, si nur mit si selbst zum vagleicha und ned imma auf andere zum schaun.


Am besten, ma macht mit seim Partner oda am guadn Spezl aus, dass ma im echten Lebn amoi a bissl offener zueinander is: „Gfoit ma, dass’d heid wieda Sport gmacht host, scheene neie Haar host!“. Letzten Endes mogs zwar oafach sei, jeden Dog a simples Foto auf Instagram hochzumlodn, aba langfristige, große Ziele machan imma no zfriedener. Des ko ma vielleicht ned so guad in de sozialen Medien vakaffa, aba de eigene Selbstzufriedenheit mit si und seim Lebn steigt deitlich und ma braucht gar nimma so vui soziale Bestätigung fia banale Fotos.


Aa de Dopaminausschüttung losst si ned so vo heid auf moang ausschoitn, sondern muass wia bei a Drogensucht aktiv und langfristig bekämpft wern: a koida Entzug ko a Lösung sei, birgt aba imma de Gefahr vo am schnäian Rückfall. Es gibt aba a sehr guade alternative Form der Dopaminausschüttung: Sport! Vielleicht ko ma des ja anfangs kombinieren, indem ma sogt, dass ma si erst im Fitnessstudio daro macht seine Nachrichten zu beantworten. In dem Schritt muass ma aa imma ehrlich zu si selba sei, ob da Einsatz wiarglich den Gewinn wert war: Hod mi des Checken vo meine Profile grod weidabrocht? Oda hätt i eigentlich ned no a baar Stund warten kenna?


Zusammenfassend muass ma song, dass si de Mediensucht mittlerweile zu a ernsthaften Voikskrankheit entwickelt hod. Dabei reduziert de Sucht as Lebn auf a Obaflächlichkeit, de eigentlich rational koana so hom mog. Wui i wiarglich meine Enkel moi erzäin, dass i mei ganze Jugend mit Tiktok-Videos vaschwendet hob, anstatt mei wertvolle Freizeit sinnvoll zu gestoitn?


Ned foisch vasteh: natürlich kennan lustige Videos oda soziale Medien aa Unterhoitung bieten oda sogar nützlich zur Weidabildung sei, ma muass si aba imma üba de richtige Nutzung im Klaren sei. Wenn ma jedes moi wia a Tier aufschreckt, wenn as Smartphone vibriert, dann soit ma ernsthaft drüba nochdenga, ob ma si ned doch zu leicht vo da Technik manipuliern losst. De sozialen Medien soitn imma no a Spiegelbild vo da Realität sei und ned umkehrt oda no schlimma a Illusion, de unsa Lebn genau wia jede andere Sucht am Abgrund entgengführt.



Des Thema gibts a zum ohearn im 'Auf a Hoibe'-Podcast vo Boarischkult!