Durch's Eis

5. Januar 2021

Durch's Eis

„Mi friart scho beim Zuaschaun!“, den Satz hob i in letzta Zeit efters zum herrn griagt, ois i mit Bodhosn im Sää gschwumma bin, während de andern Leid olle mit da Wintajackn danebn spaziern ganga san. Daweil is as sogenannte „Eisschwimma“(oda genaua „Winterschwimma“) koa Superheldeneigenschaft sondern a Fähigkeit, de si grundsätzlich jeda oeignen konn und de si dann a wia as nadiarlichste der Wäid ofuiht.

Aba wia is soweit kemma, dass i überhaupt teilweise bei Minustemperaturen zum Schwimma geh?

In Russland gibt’s am 19.01 den Brauch der „Taufe“ (Крещение), an dem so guad wia jeda si in Bodhosn zu am Sää oda Fluss begibt, um si wia Jesus damois fia’s neie Jahr segnen zu lossn. Weil i des lustig gfundn hob, hob i des vor zwoa Jahr moi selm ausprobiert und war irgendwie begeistert: obwoi i’s nur a paar Sekunden ausghoitn hob, war i irgendwie total zfriedn. Trotzdem war mir da Aufwand fia a paar Sekundn plantschen dann aba doch zu groß, als dass i as Winterbodn weiterhin verfoigt hätt.

Oa Jahr spada bin i dann im Frühjahr auf da Suche noch am Hausmittel gwen, um mein leidigen Heischnupfa endlich in Griff zum Griang und bin auf’n „Ice Man“ Wim Hof gstoßn. Wim Hof is a Hollända, der scho mehrere Kälterekorde aufgstäit hod und a Methode entwickelt hod, mit deren Huif i ghofft hob eben a mei Allergie in Griff zum griang. De sogenannte „Wim-Hof-Methode“ besteht eigentlich nur aus zwoa Elemente: a Atemtechnik und Abhärtung in da Kältn.

De Atemtechnik huift am Körpa sei Atemkapazität zu erhöhn und auf Stress bessa reagiern zu kenna, wos mit da Kältetherapie insofern in Verbindung steht, als dass des koide Wassa fia an ungeübten Menschen an großn Stress bedeit, der aba durch Vorbereitung komplett verhindert wern konn.

De Abhärtung durch z.B. regelmäßige koide Duschn hod foigende physiologischen Hintergründ:

· De gloanen Bluatäderchen in unserm Körpa bildn a gigantisches Netz, welches Bluat durch unsern Körpa bumpt und so olle Stellen mit Wärm versorgt. In extreme Situationen wern zerscht de überlebenswichtigen Funktionen versorgt, des san de Organe, während da Exkremente wia Fiaß und Finga dann leidn miassn. Diese gloanan Äderchen funktioniern aba wia a Muskel und kennan trainiert wern, dann braucht da Körpa weniga Energie, um an Körpa mit Wärme zu versorgn, d.h. ma erhöht sei Toleranz gegenüba Kältn.

· Dadurch, dass da moderne Mensch imma mehra verweichlicht san diese Äderchen in der Regel extrem untrainiert. Ob in da Wohnung, im Auto oda im Zug: überoi herrscht nur de Wohlfuitemperatur. Prinzipiell san aba unsere Grundfunktionen no vorhanden, weswegen jeda seine Fähigkeiten wieda otrainiern konn.

· Es gibt zwoa unterschiedliche Körpafette: weißes Fett und braunes Fett. Während as weiße Fett schlecht fia‘n Körpa is, is as braune Fett dafia do uns warm zu hoitn und unsan Körpa abhängig von da Umgebung zu reguliern. Eskimos oda gloane Babys ham z.B. no vui braunes Fett, während da „zivilisierte Mensch“ imma mehra davo verliert. Durch häufige Kältereize konn de Umwandlung zu braunam Fett wieda ogregt wean, wos si ziemlich schnäi bemerkbar macht, z.B. indem ma’s imma länga mit weniga Friarn unta da koidn Dusche aushoit.

· Ois letztes stärkt de Prozedur as Immunsystem, indem da Körpa sei Abwehrbereitschaft ständig testen konn.

Des ois hod mi übazeigt, dass i jeden Dog imma länga an Duschregla auf blau statt rot gschoitn hob, um festzustäin, dass mir des tatsächlich guad duad, a wenn’s mein Heischnupfa bis heid no gibt.

Trotzdem hob i de „Wim-Hof-Methode“ seitdem imma weida gübt und hob festgstäit, dass si einige Sachan fia mi verbessert ham:

· Weniga Stress: i bin allgemein vui entspannta woan. Es scheint so, ois ob da Körpa de Auseinandasetzung mit da Kältn ois Ventil nutzen konn, um „Dampf“ obzulossn. Des konn ma selm ganz leicht ausprobiern: wenn nächstes moi richtig vui osteht, oafach moi kurz unta de koide Dusche stäin und drauf achten, welche Gedankn durch’n Kopf schiaßn.

· Euphorie: dadurch, dass da Körpa durch des koide Wassa in an „Überlebensmodus“ schoit, wird Dopamin freigsetzt, wos zu am guadn Gfui führt, ähnlich wia noch a Stund anstrengenden Sport. Aus dem Grund eignet si a koide Dusche ideal ois Morgenroutine, um richtig wach zu wern und glei guad gelaunt in Dog zum startn.

· Seltna und kürza krank: i bin zwar doch no oa, zwoa moi krank woan, ollerdings hob i mi imma vui schnäia wieda gfanga wia friara. Wenn ma si bewusst werd, dass ma si fast täglich extreme Bedingungen aussetzt erstaunt’s umso mehra, zu wos da eigene Körpa eigentlich fähig is.

· Vorzongner Somma: Dadurch, dass i im März scho zum erstn moi im Sää war und ab April scho mehr ois a Hoibe Stund bodn hom kenna, hod si da Somma fia mi gfuit noch vorn vaschom. Mittlerweile gibt’s fia mi nix scheeners, wia pünktlich zu de ersten Blüatn an de Baam scho im Sää plantschn zum kenna.

· Schnäiana Regneration: egal, ob i beim Berggeh im Winta am Gipfe gfrorn hob oda ob i meine Muskeln brutal beansprucht ghabt hob, de Regenerationszeit in beiden Fällen war imma erstaunlich. So vawunderts ned, dass a Profifuassballer de Kryo-Therapie owendn, um si schnäia zu erholn.

· Neie Schwimmplätze entdecka: Friara hätt i nia docht, dass i irgendwann moi im Königssää oda im no kältern Hintersää bodn kannt. Heid macht’s ma richtig Spaß, im Somma imma mei Bodnhosn dabeizumhom und noch a Bergtour no a Rundn in am nahegelegenen Sää zum drahn.

I konn oiso zusammenfassend nur empfehln, dass jeda oamoi im Lebn as Wintaschwimma ausprobiert und gib no a baar Tipps mid auf’n Weg:

· Langsam ofanga: vielleicht erstmoi mit a baar Wechselduschn ofanga, bevor’s dann wiarglich zum hoib zuagfrorna Sää gäd.

· Ruhig bleim: a Hecht schaut zwar vor ollem im Winta spektakulär aus, is aba fia Ungeübte ned zu empfehlen, wenn ma ned woaß, wia da Körpa auf’s koide Wassa reagiert. Am besten is, ma atmet ganz ruhig und diaf ei und aus und gäd dann zügig ins Wassa, ohne gleich übatriem rumzuhecheln. Oafach moi probiern sein eigenen Körpa zu beobachtn und wos as koide Wassa mit oam macht.

· Warms Gwand und a Handduach scho zrechtleng: Am besten beim Aussegeh mit am trocknen Handduach obdupfa und dann in warms Gwand schliarfa. Dahoam hod ma si dann a scheene warme Dusch mehr ois nur vadient 😊

· Auf’n Körpa hearn: Da wahrscheinlich wichtigste Punkt is wia so oft im Lebn aufhearn wenn’s zum aufhearn is. Es gibt an Untaschied zwischen Herausforderung und Übaanstrengung, den ma kenna muass. Freilich derf’s a moi unangenehm wean, aba wenn ma gar nix mehr spiart soiad spadestens Schluss sei.

I hoff tatsächlich, dass mehra Leid as Wintaschwimma fia si entdecken, weil’s tatsächlich a bissl is wia as Lebn: Manchmoi hart, aba imma ehrlich. Und es san de großn Gefühle, de ois ausmachan: da gresste Erfoig is dann erst richtig vui wert, wenn ma a an gressten Verlust erlebt hod. Und so sei jedem des Glücksgfui vergunnt, der a moi a baar Minuten zittern konn.


Mia probiarn, dass ma  auf Boarischkult Boarische Sprach und Kultur fördern. Freile konn's moi sei, dass da oa oda andere Fehla si eischleicht oda dass ebba in seim Gai wos anders schreim dat.

Mia findn aba, dass ma liaba wos virrericht ois dass as Boarische wega Dipfalscheißarei weida ausstirbt.

Wenn du selba wos beidrong mogst, dann schick uns doch a Mail an info@boarischkult.de