Da oide Mo und da Briaf

Boarischkult

Trotz oll dem Gred is doch no winterlich woan in da gloanen Stodt, es war a baar Dog vor Weihnachten und dicke Schneeflocka ham si auf d’Haisl und Gassn glegt.
Auf a gloanan Bank vor da Post is a oida Mo mit grau-weißem Bart ghockt, der wos schee verzierte Buchstabn auf a dicks Bladdl Papier gmoin hod. Auf oamoi is a junger Bursch vorbeikemma, der grod moi kurz sei Gscheidkastl wegglegt hod, wo er den oidn Mo gseng hod.
„Guada Mo, dass Sie bei so am Sauweda immer no mit Briaf schreim obschindn miassn. D’Buchstaben san ja scho hoib vawischt und as Vaschicka kost a no an Haufa Zeit und Gäid. Mit am Gscheidkastl kanntn‘S so vui Nachrichten umsonst, schnell und gmiatlich verschicken, wia’S nur woin. Wenn’S eh scho oans ham, konn i erna gern zoang, wia des geht.
Da oide Mo aber hod nur durch sei Spekuliereisen noch om zum Buam aufegschaut und grinst: „Und so schnäi wia d’Nachrichten vaschickt san, so wenig werd as Hirn ogstrengt, wos an Inhalt ogeht. Es war nett gmoant, aber da Inhalt is ma vui zu wichtig, als ob Zeit a Rolln spuin dat.“
Da Bursch war a wenig perplex über de schlogfertige Antwort, hod aber no ned aufgem ghabt und weida versuacht, den oidn Mo vo da modernen Technik zum überzoing: „Wenn’S woin, kennan Sie si so lang Zeit nemma wia’S brauchan, umso praktischer is aber, dass Sie die Nachrichten oiwei no aussbessern oder soga löschn kennan, wenn’s moi an Hund einebrocht ham. Des is bei so am oidmodischn Zeddel nimmer so oafach.“
Da oide Mo aber hod a ned locka lossn kenna und hod mit am forschn Gschau kontert: „Genau des is as Problem vo da heidigen Gsellschaft: Koane denkt mehr vorm Obschicka noch, weil sowieso a jeda Bledsinn ruckgängig gmacht wern ko. Des is wia bei de Buidl: Im Gegensatz zu friahra hod ma vielleicht mehra Versuche ghabt, um a guads Buidl zum schiaßn, umso mehra aber versinkt da Rest in Belanglosigkeit“
Da junge Bursch war erstaunt, dass da oide Mo erm nomoi zoagt hod, wo da Bartl an Most hoit, hods aber dann doch no a letzts moi probiert: „Es ko scho sei, dass des auf manche Leid zuatrifft, aber Sie wern ja ihr Art Nachrichten zu schreim ned ändern, aber oans optimiert si scho für Sie: Da Empfänger muass ned lang aufn Briaf warten, sondern griagt de Nachricht no in da selben Sekundn!“.
Jetzt war da Bua gspannt, ob da oide Mo immer no a Antwort für erm ghabt hod. Der hod obegluad auf den vaschmirrten Briaf und an darunterliegenden Schnee, dann hod er kurz durchgschnauft und gsprocha: „Wissen’S, junger Mo, mi überrascht, wie brudal si de Leid in da heidigen Zeit oiwei darennan. Ned amoi zu Weihnachten kennan de meisten amoi ois lieng lossn und zua Ruah kemma. Welcha Gscheidkastl-Dahoita kennt scho no des warme Gfui, nochm langen Warten mit da Antwort vo am guadn Spezl belohnt zu wern? Wo bleibt bei da Digitalisierung d’Sehnsucht noch am Lemszeichen vo am liaben Menschen, der wo ned an ganzn Dog „online“ zum daglanga is? Wie oft seids es jungan Grippeln sogar no enttaischt oder frustriert, wenn d’Ruckmaidung amoi zkurz oder zdeppad ausfoit? Wia dahaun is a emotionslos im Zug glesene Whatsapp-Nachricht vom vielleicht wichtigsten Menschen gegen an griawig aufm Kanabä glesnan Briaf vo am weit entfernten Spezl, bei dem ma gspannt auf a jeds Wort is? Wia vui innere Wärm gibt da da liebevolle Briaf vo am gloanen Kind ans Christkindl im Gegensatz zu a schnellen Amazon-Bestellung kurz vor Weihnachten? Aber jetzt entschuldigen S’mi, i muass mein Briaf jetzt no obgem. A scheens gsegnets Weihnachten mit ernane Leid wünsch i!“
Da junge Bursch is stehbliem wia okett, is erm doch sei ganze Sicht auf oamoi komplett foisch vorkemma. Beim Nochdenga über oll de Sachan hod er no gseng, wia da oide Mo mit seim nossn Briaf in da Hand durchs Friedhofstor ghuscht is, bevora im Schneegstöber vaschwunden is.
De gloane Gschicht soi uns zoang, dass ned immmer auf a Perfektionierung in unserm Lem okimmt. Mir soitn uns vuimehr de Zeit nemma, de neie schneie Wäid a moi kurz ohne uns weiterdrahn zu lossn.
Am End stirbt doch a Stückl Menschlichkeit durch de unreflektierte Technisierung, die zwar freile a sei Berechtigung und seine Vorzüge in am modernen Lem hod, aber spadestens do, wo’s uns am wichtigsten is, Blotz macha soit: bei de Beziehungen zu unsane Familien und Freind.
In da oiwei hektischeren Vorweihnachtszeit vom 21. Jahrhundert soit’s moi zum Nochdenga oreng, ob de wunderbarn Sachan in unserm Lem ned oft im Gloanan und Vaborgenen lieng. Und vielleicht fuit si da oane oder andere dabei ertappt, wia er am liaben Menschen ganz altmodisch an Briaf schreibt, der zwar vielleicht erst noch Weiihnachten okimmt, der aber doch as scheenste Gschenk vo olle sei kannt.

Da oide Mo und da Briaf

OBELODN

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